Rezensionen

Ute Brambrink , Claudia Rieß: Das Menopower-BuchWechseljahre und Job – was Frauen hilft, stark zu bleiben


Abb.: https://www.penguin.de/buecher/ute-brambrink-das-menopower-buch/paperback/9783424203257

Frauen haben andere Voraussetzungen, Belastungen und Bedürfnisse als Männer. Das wird aber in Medizin und Forschung weiterhin nicht ausreichend berücksichtigt. Sexismus zeigte sich auch darin, dass die Medizin sich nie eingehend mit den Wechseljahren befasst, weil Frauen aufs Gebären reduziert wurden und daher mit dem Ende der Fruchtbarkeit keine Relevanz mehr sahen, ihnen Aufmerksamkeit zu geben. Auch gegenwärtig sind die Wechseljahre im Grundstudium Medizin kein Wort wert, schreibt Miriam Stein, die in ihrem Buch Die gereizte Frau, das 2022 im Goldmann Verlag erschien.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) startet im November 2025 den Dialogprozess dazu, denn zirka neun Millionen Frauen leidet in dieser Lebensphase unter starken Beschwerden. Bisher waren Frauen unsichtbar, nun liegen endlich Zahlen und Fakten vor. Ein Ziel ist, Rahmenempfehlungen für Unternehmen und deren Umgang mit Wechseljahren zu erarbeiten. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/bundesgesundheitsministerin-startet-dialogprozess-wechseljahre
Wie so oft, werden Frauen dann ein Thema, wenn andere Interessen dahinterstehen, in diesem Fall: Durch die Fehlzeiten und die reduzierte Produktivität aufgrund von Menopausen verursachte Beeinträchtigungen entstehen Verluste in Milliardenhöhe.

Dr.in Ute Brambrink (keine Altersangabe) studierte Romanistik und Germanistik und ist Pressesprecherin bei einem großen Konzern. Claudia Rieß, 1973 geb., ist Journalistin, die hauptsächlich Kolumnen schreibt, und Ernährungsberaterin.

Wie legen die beiden nun ihr Buch an?
Der Untertitel „Wechseljahre und Job – was Frauen hilft, stark zu bleiben“suggeriert, dass Frauen immer stark zu sein haben. Das finde ich problematisch.
Konkrete Tipps und Strategien für den Arbeitsalltag sollen gegen einen ungerechten Karriereknick helfen. Da fehlen die institutionalisierten Aspekte von Diskriminierung. Im Pressetext heißt es: „Ein Viertel der Frauen reduziert Arbeitsstunden, ein Drittel wird wegen typischer Symptome krank geschrieben und fast jede fünfte möchte früher in den Ruhestand gehen. Darf das so sein? Ute Brambrink und Claudia Rieß finden: Nein!“
Ich frage: Warum soll das nicht sein dürfen? Welche Interessen stecken hinter diesem Nein? Nach Jahren der Doppel- und Dreifachbelastung, geringerem Lohn und geringeren Karrierechancen reicht es eben auch einmal, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Benachteiligung fängt nicht mit der Menopause an. Über Strategien Bescheid zu wissen, wie diesen entgegengewirkt werden können, sind allerdings immer gut! Viele Frauen erzählen von ihren Erfahrungen. Damit wird das Buch sehr lebendig.

Medizinisch gesehen sind vor allem schmerzhafte Perioden, Endometriose oder Myome Aspekte. Die Pharmaindustrie steht in den Startlöchern, mit allen Vor- und Nachteilen.

In Österreich gibt es den Menstruationsgesundheitsbericht 2024 https://www.sozialministerium.gv.at/Services/Aktuelles/Archiv-2024/praesentation-menstruationsgesundheitsbericht-2024.html

Eine Studie von 2022, bei der über 1.000 Frauen ab 40 Jahren befragt wurden, zeigte, dass 78 % der Frauen glauben, die Wechseljahre positiv beeinflussen zu können. Für 65 % der Befragten ist es wichtig, sich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern, 45 % suchen medizinischen Rat. https://oeggg.at/wirsind1mio/

Die interessante Dokumentation des 7. Frauen-Gesundheits-Dialog 2024 ist online zu finden auf https://www.bmfwf.gv.at

Es gibt auch private Initiativen, wo Frauen sich zusammenschließen und austauschen, wie beispielsweise https://feuerfrauen.at/

Das vorliegende Buch gliedert sich in diese 9 Kapitel: Menopause im Job – warum keiner darüber redet (und das ein Problem ist) / Die Wechseljahre – kurz erklärt / Mit 50 noch mal durchstarten – oder auch nicht?! / Stark durch die Wechseljahre / Die unterschiedlichen Anlaufstellen im Job / Strategien für den Joballtag / Das wünschen sich Frauen: Flexible Arbeitszeiten, Verständnis und Information / Wie kommuniziere ich über die Wechseljahre? / Männer – wir brauchen euch! In leicht lesbarem Stil werden die Leser:innen mit persönlichen Erfahrungen im Vorwort von Andrea Rumler eingestimmt.

Wer dieses Buch liest, erhält Informationen zur gesetzlichen Situation in Deutschland und anderen Ländern, vielfältigen Input und Impulse, die bestärken und zur Reflexion anregen und ermutigen. Ein paar weiterführende Adressen finden sich im Anhang.

Wer von einer berühmten Frau deren Bewältigung der Herausforderung Menopause lesen möchte, ist mit Naomi Watts, Hollywoodschauspielerin und Produzentin, Jetzt schon?, Dumont 2025 gut informiert und unterhalten. https://www.dumont-buchverlag.de/buch/naomi-watts-jetzt-schon-9783755800514-t-7633

Ergänzend zu diesem Buch empfehle ich Freie Tage – Die feministische Kraft der Menopausevon Silke Weber zu lesen, das 2026 im Rowohlt-Polaris Verlag erschien. Sie zeigt die komplexen Zusammenhänge von Hormonen, Kultur und Ökonomie. https://www.rowohlt.de/buch/silke-weber-freie-tage-9783499018107?srsltid=AfmBOooRzk710FrXzdM9MC-z3duUw6m2TyzChvCeK-JEQLPOSx7htgBg

Das Menopower-Buch ist gut geeignet, in das umfangreiche Spektrum der Menopause einzusteigen. Mit all den anderen Publikationen kann sich dann jede:r eine eigene Meinung bilden und den individuellen, für sich richtigen Weg, bestärkt und mit klarer Sicht gehen.

März 2026

Rezension
Ilse M. Seifried, MA
https://www.i-m-seifried.at

März 2026

240 Seiten
Ariston Verlag 2026
ISBN: 978-3-424-20325-7
€ 21,50