Frauen nähern sich Frauen an. Im Konkreten begeben sich die Herausgeberin Sofie Morin, die als Co-Autorin fungiert, und 14 Literatinnen auf den Weg, bedeutende und berühmte Frauen neu und differenziert zu sehen.
Sofie Morin, 1972 in Wien geboren, hatte die Idee für dieses Projekt und wählte ihre Dialogpartnerinnen aus: Franziska Beyer-Lallauret, Patricia Falkenburg, Isabella Feimer, Dorina Marlen Heller, Claudia Klingenschmid, Claudia Kramatschek, Stephanie Mehnert, Romina Nikolić, Jutta v. Ochsenstein, Katrin Oberhofer, Marlen Schachinger-Pusiol, Silke Scheffel, Miriam Tag, Christine Zureich.
Die Leser:innen lernen die Frauen Sabina Spielrein, Annemarie Schwarzenbach, Maria Sibylla Merian, Mascha Kaléko, Grete Mostny, Ilse Aichinger, Marianne ›My‹ Ullmann, Else Lasker-Schüler, Hedwig Dohm, Marianne Fritz, Sophie Mereau, Maria Lassnig, Ingeborg Bachmann, Christine Lavant in einer kurzen Zusammenfassung kennen und dann aus interessanten und neuen Perspektiven der Literatinnen.
Dies bietet die Möglichkeit, eigene Sichtweisen, Bewertungskriterien und Vorurteile zu vielen Themenbereichen zu hinterfragen. Beispielsweise ist auf Seite 70 zu lesen: „Es reibt mich stets auf, dass bei jeder Annäherung an den Körper einer Frau so gerne eine männliche Präsenz mitgedacht wird, in purer Selbstverständlichkeit.“
Auf Seite 177 ist zu lesen. „Wir müssen noch über die Töchter sprechen. Wie wir unseren und anderer Frauen Töchter Geleit geben zu der freien Wahl, die sie haben: zum Beruf, zum Muttersein, wie wir ihnen darin beistehen. das zu sein oder noch viel mehr zu sein – oder all das nicht sein zu müssen.“
Dies zeigt, welche Fragestellungen auch für zeitgenössischen Literatinnen von Relevanz sind. Somit umfassen diese beiden Buchdeckel einen umfangreichen Schatz, der Zeit und Ruhe, Entschleunigung und Konzentration benötigt und schließlich Leser:innen bereichert.
Ob der Buchtitel wirklich den Buchinhalt optimal ankündigt, beschreibt oder in die Irre führt, kann diskutiert werden. Es geht vor allem darum, Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeiten zu verstehen und zu respektieren. Perfektionsanasprüche wurden und werden nach wie vor an Frauen gestellt, denen Männer nicht ausgesetzt sind, und so Sexismus offenbaren.
Die Vielfalt an weiblichen Lebensweisen und damit Lebensläufen historischer Frauen spiegeln sich oft auch gegenwärtig. Und weil auch Liebe viele Seiten hat, werden viele Arten und Weisen und Nuancen von Liebe offenbart.
Mit der Frage auf der letzten Seite des Buches „Und was tun wir?“ ist jede Person gefordert, eine – seine – ihre Antwort zu finden.
Dieses Buch bietet jenen, die bereits einen Bezug zu einer der berühmten Frauen haben, inspirierende Impulse und jenen, die eine erst kennenlernen wollen, ebenso. Auch präsentieren die mehr oder weniger bekannten Literatinnen ihre Denk- und Sprachwege und machen neugierig auf deren eigenständige Publikationen. Gesellschaftspolitische Aspekte sind untrennbar mit Frauen und deren Schaffen verbunden.
Für Lehrende bietet dieses Buch nicht nur Unterrichtsmaterial für Maturant:innen an, die Verlagsleiterin und Mitautorin Marlen Schachinger-Pusiol sowie Claudia Kramatschek präsentieren dieses Buch auch gerne an Schulen und leiten dazu Workshops und Diskussionen. Anfragen sind über die Verlagswebsite www.edition-arthof.com zu stellen.
Februar 2026
Rezension
Ilse M. Seifried, MA
https://www.i-m-seifried.at
287 Seiten, Edition Arthof
ISBN 3-9505256-4-5, € 28.-






