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Schulnachricht für den Bundesminister

Bernhard Hofmann, Co-Vorsitzender der ÖLI-ug, hat eine Schulnachricht für unseren Bildungsminister verfasst:

Liebe Kolleg:innen!

Das erste Semester ist bald geschafft. Während wir in den Konferenzzimmern die Leistungen unserer Schüler:innen dokumentieren, lohnt sich ein Blick nach oben. Das Bildungsministerium plant derzeit bekanntlich neue Schulfächer wie „Demokratische Bildung“. Das nehmen wir beim Wort: Wir haben dem Bildungsminister und seinem Ressort kurzerhand eigene Schulfächer zugewiesen und geben zur baldigen Semesternachricht die entsprechenden Beurteilungen ab.

Nach den bleiernen Jahrzehnten der ÖVP-Dominanz, die von reiner Mangelverwaltung und ideologischer Starre geprägt waren, weht zwar ein neuer Wind im Ministerium, doch müssen wir uns fragen: Bedeutet dieser Wind auch Aussicht auf wirkliche Verbesserungen in den Klassenzimmern? Hier ist die offizielle Schulnachricht für das Wintersemester:

Schulfach: Aufbruch aus der schwarzen Starre

Beurteilung: Gut (im Ansatz)

Im Gegensatz zur Ära der reinen Bewahrung unter schwarzer Führung zeigt der Minister echtes Engagement und einen gewissen Innovationsgeist. Die Kommunikation ist offener, die Gesprächsbereitschaft höher als bei seinen Vorgängern. Die Tür scheint zumindest einen Spalt weit offen zu sein.

Zusammenfassung: Sichtlich bemüht, den Staub von Jahrzehnten konservativer Bildungspolitik abzuwischen. Ein Fortschritt im Vergleich der reinen Verwaltungsfestung.

Schulfach: Ankündigungswesen & PR-Management

Beurteilung: Sehr gut

Wenn es um das Versprechen von Reformen und die mediale Inszenierung geht, ist die Leistung erstklassig. Die Visionen klingen in der Theorie hervorragend, und bei den Ankündigungen glänzt das Ministerium.

Zusammenfassung: Hervorragende mündliche Mitarbeit. Bei den schriftlichen Hausübungen (der Umsetzung) gibt es jedoch massiven Nachholbedarf.

Schulfach: Ressourcenrealismus & Inklusion

Beurteilung: Mangelhaft

Die harte Realität an den Schulen straft die PR-Abteilung Lügen. Ein paar neue Planstellen für Schulpsychologie beseitigen den massiven Personalmangel bei weitem nicht. Die steigende Zahl an Kindern mit Diagnosen braucht eine massive Aufstockung des Support- und Lehrpersonals, nicht nur Presseaussendungen. Ohne kleinere Klassen bleibt Inklusion die „Quadratur des Kreises“ – eine Belastungsprobe, die auf unserem Rücken ausgetragen wird.

Zusammenfassung: Große Pläne scheitern an der chronischen Unterfinanzierung der Basis. Das Fundament bröckelt weiter.

Schulfach: Digitale Ordnungspolitik

Beurteilung: Genügend

Das plakative Handyverbot ist reine Symbolpolitik für die Titelseiten; in vielen Hausordnungen war dies längst geregelt. Es löst kein einziges Problem der rasanten Digitalisierung. Der zu frühe Kontakt der Kinder mit digitalen Geräten führt zu massiven Konzentrationsproblemen, die uns im Unterricht täglich fordern. Hier fordern wir ein echtes pädagogisches Konzept. Populistische Verbote bringen nichts.

Zusammenfassung: Konzentriert sich auf Schlagzeilen, während die tiefgreifenden Probleme der Mediennutzung ungelöst bleiben.

Schulfach: Entbürokratisierung & Verwaltung

Beurteilung: Genügend

Das Streichen alter Erlässe ist nur Kosmetik, wenn gleichzeitig neue, aufwendige Prozesse wie die administrative Suspendierungsbegleitung geschaffen werden. Die Idee ist gut, doch die Umsetzung droht zu einem bürokratischen Monster für Lehrkräfte und Direktionen zu werden. Das konterkariert jeden Gedanken der Entlastung.

Zusammenfassung: Gibt vor, Ballast abzuwerfen, schichtet die Arbeit aber oft nur von einer Stelle zur nächsten um.

Schulfach: Angewandte Partizipation

Beurteilung: Mit Erfolg teilgenommen (Skeptisch)

Wir freuen uns, dass wir partizipieren dürfen. Doch nach dem folgenlosen Projekt „Freiraum Schule“ folgt nun die nächste Umfrage. In den Lehrer:innenzimmern wächst die Skepsis: Ist das echte Mitbestimmung oder nur ein Ventil, damit wir glauben, mitentscheiden zu dürfen, während die Reformen ausbleiben?

Zusammenfassung: Zeigt Interesse am Dialog, muss aber erst beweisen, dass die Meinung der Basis auch Konsequenzen hat.

Fazit

Das Ministerium hat das „Nicht Genügend“ der letzten Jahrzehnte in puncto Dialogbereitschaft abgelegt. Aber für ein echtes Weiterkommen im nächsten Semester braucht es mehr als Partizipations-Simulationsspiele. Wir brauchenechte Ressourcen, spürbare Entlastung und kleinere Klassen. Nur so wird aus den guten Ankündigungen auch eine Schule, die für uns und die Kinder funktioniert.

Wir bleiben für euch dran – kritisch, unabhängig und hartnäckig  auch im Jahr 2026.

Bernhard Hofmann für die ÖLI-UG