herausgegeben von Art Institute Vienna
Übersetzung ins Englische: Aneta Graham
Dieses sinnvollerweise zweisprachige (deutsch/englisch) Buch versammelt sowohl bekannte als bisher übersehene Künstlerinnen in alphabetischer Auflistung: RENATE BERTLMANN, LIESELOTT BESCHORNER, EVA CHOUNG-FUX, LINDA CHRISTANELL, MAGDA CSUTAK, INGE DICK, VALIE EXPORT, GERDA FASSEL, CHRISTA HAUER-FRUHMANN, HEIDI HARSIEBER, ISOLDE MARIA JOHAM, MARTHA JUNGWIRTH, BIRGIT JÜRGENSSEN, ANGELIKA KAUFMANN, KIKI KOGELNIK, ELENA KONEFF, RENATE KRÄTSCHMER, FRIEDL KUBELKA, MARIA LASSNIG, KARIN MACK, MARIANNE MADERNA, FLORENTINA PAKOSTA, HELGA PHILIPP, MARGOT PILZ, MEINA SCHELLANDER, ELFIE SEMOTAN, LINDE WABER, HELIANE WIESAUER-REITERER, GERLINDE WURTH.
Gerald Matt, von 1996 bis 2012 Direktor der Kunsthalle Wien, gegenwärtig Direktor des Vienna Art Institute und als Ausstellungskurator und Autor tätig, legt mit diesem Buch eine seit langem, dringend notwendige Dokumentation vor.
Das Vorwort informiert über die titelgebende Heilpflanze Belladonna, die Synonym ist „für starke, selbstbewusste, talentierte und durchsetzungsfähige Frauen, die sich in der männerdominierten Kunstwelt der 1960er- und 1970er-Jahre mit Talent, Entschlossenheit, Ausdauer, Haltung und zuvorderst mit herausragender Kunst ihren Platz in der österreichischen Kunstgeschichte mühsam erkämpfen mussten.“
Die Künstlerinnen kommen selbst zu Wort. Bei bereits verstorbenen Künstlerinnen wurde auf vorhandene Texte zurückgegriffen. Die oft gänzlich unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungswelten von Männern und Frauen aufgrund gesellschaftlicher Gegebenheiten, werden deutlich sichtbar. Auch in den männerdominierten Künstler:innenvereinigungen wurden Frauen diskriminiert.
Die Künstlerinnen erzählen von ihren ersten Ausstellungen, befreundete Künstler:innen, prägenden Erfahrungen und dass sie viel reisten, um sich über die internationalen Kunstszene zu informieren. Fotos und Interviews geben vertiefende und lebendige Einblicke in ihr Leben und Werk.
Das Redaktionsteam, bestehend aus Berthold Ecker, Synne Genzmer, Maria Christine Holter, Hartwig Knack und Gerda Ridler, soll hier namentlich erwähnt sein, weil das Ergebnis ein wirklich gelungenes ist.
Es sind so viele interessante und wichtige Details in diesem Zeitdokument zu finden, dass damit dieses Buch zur Pflichtlektüre wird. Es ist auch den vielen pointierten und aussagekräftigen Zitaten der Künstlerinnen, größere Bekanntheit zu wünschen.
Bedauerlich ist, dass kein e-book angeboten wird, das Schüler:innen der Oberstufe und Studierende wohl in größerem Umfang erreicht hätte.
Dieses Buch empfehle ich auch jenen, deren Schwerpunkt nicht die Kunst ist, weil es für die immer noch nicht gegebene Gleichberechtigung in Kunstwelt und Alltagsrealität sensibilisiert. Im Genderreport 2017-2021 im Auftrag des BMKÖS 2024 erschienen, steht: „Frauen werden individuell, strukturell und ökonomisch aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt – auch in Österreich. Sie tragen individuell die Hauptlast der Sorge- und Reproduktionsarbeit. Strukturell werden Frauen trotz höherer Qualifikation häufig Führungspositionen und gleiche Bezahlung vorenthalten. Der Gender Pay Gap in Österreich ist einer der höchsten unter den europäischen Ländern. Trotz zahlreicher politischer, verwaltungstechnischer und sozialer Maßnahmen sind Frauen in Österreich auch im Jahr 2024 den Männern nicht vollständig gleichgestellt. Sie sind in ihren beruflichen wie privaten Lebensgestaltungsmöglichkeiten in vielfacher Weise benachteiligt – auch im Bereich von Kunst und Kultur.“
file:///C:/Users/User/Downloads/Gender_Report_im_Bereich_Kunst_und_Kultur_2017-2021.pdf
Die IG Kultur fasst die Ergebnisse so zusammen: „Mehr Frauen im Kulturbereich – aber weniger in Führungspositionen und schlechter bezahlt“.
https://igkultur.at/praxis/gender-report-mehr-frauen-im-kulturbereich-aber-weniger-fuehrungspositionen-und-schlechter
Dass es bisher keiner Frau gelang, mit Fördermittel ein solch umfangreiches Projekt zu erhalten und zu realisieren, zeigt, dass immer noch männliche Mitstreiter notwendig sind.
Belladonna sollte in jeder Bibliothek allen zur Verfügung stehen. Dieses Buch vermittelt Lehrenden, Eltern und allen an Lebensrealitäten Interessierten, gut lesbares Wissen, bietet viele Reflexionsmöglichkeiten, zeigt vielschichtige Perspektiven und gibt neue Impulse.
Februar 2026
Rezension
Ilse M. Seifried, MA
https://www.i-m-seifried.at
440 Seiten
Czernin Verlag 2025
ISBN Print: 978-3-7076-0872-4
€ 39,95






